.. des Jahres size ich hier allein und lass das letzte Jahr an mir vorbeiziehen…
Vor meinem inneren Auge sehe ich meine Mutter, wie sie sterbend in Ihrem Bett liegt und mir nachschaut, wie ich Ihre Wohnung verlasse. Morgens noch hat Sie mich nichteinmal erkannt, soweit hatte der Krebs Ihren ausgemergelten Körper schon belastet.. der Abschied war kurz, … zu kurz…….. Sie sah mich mit einem Lächeln an… wie nur eine Mutter Ihr Kind anlächeln kann. Wir wussten Beide, das es das letzte Mal sein würde, das wir uns sahen. Mein Leben lang war Sie für mich da und in diesem Augenblick schaffte ich es nicht zu bleiben… einfach nur bei Ihr zu sitzen. Auf der Türschwelle zu Ihrem Zimmer drehte ich mich nocheinmal um und sagte: „Mama,… ich liebe Dich..“ ….. und ging. Mit Tränen der Verzweiflung machte ich mich auf den Weg die 900km zurück in meine Heimatstadt… an die Rückfahrt kann ich mich heute nicht mehr erinnern aber an jeden einzelnen Gedanken den ich dabei hatte. Kilometer für Kilometer, Stunde für Stunde. Fast 4 Monate später starb meine Mum in den Armen Ihrer lieblings Pflegerinin einem Hospitz in den bayerischen Alpen.
… ich denke an meine (Ex)Frau, die sich dieses Jahr von mir trennte. An die wunderschönen Jahre unserer Ehe, die vielen glücklichen Momente…. und die unschönen… Sie hat mich über 10 Jahre lang in meinem Leben begleitet war immer für mich da und schenkte mir meinen wunderbaren Sohn.
… Thorben, scheisse ich weiss nichtinmal mehr wann ich Ihn zuletzt habe Lächeln sehen.. die Erinnerungen fangen an zu verwischen.. sich mit anderen Erlebnissen zu einem unscharfen Gedächnis zusammen zu fügen. Vermischt mit schrecklichen Bildern der Kriege die es das letzte Jahr gab, der Unfälle die ich mit ansehen musste.
..Chorea Huntingon, liebevoll meine Mutation…. die Presenz kann ich nie komplett abschalten. „Ich bin ein Mutant“ .. sage ich mir immer wieder. Weil mit dem Umstand ein Mutant zu sein verbinde ich nichts negatives, ganz im Gegenteil. Ein Mutant ist etwas besonderes, etwas einmaliges.. eine Laune der Natur. Schleichend bemerke ich, wie sich mein Leben verändert hat.. ich bin ruhiger und gelassener als noch vor einigen Jahren. Gibt einem das Wissen um den eigenen Tod diese Kraft?…… Das neue Jahr steht kurz bevor, angeblich ein Wendepunkt den es gilt zu Feiern, der einem die Möglichkeitgibt Neues zu schaffen und Altes zu begraben….. man hakt am Sylvester Abend die Geschehnissen der letzten 12 Monate ab und schafft so Platz für Neues… Nur wie schliesst man mit einer Mutation ab, die einem ständig begleitet, die mich töten wird?