Archiv für Mai 2008

Eben nach Mutantenart

Mai 29, 2008

Vor einigen Wochen wurde ich von meinem Auftraggeber zu einem Workshop in Göttingen eingeladen, auf dem alle … ich nenn uns mal „Projektleiter“ (manche sagen Projektkoordinatoren, Projektbetreuer oder Projektberater und einige sogar Geschäftsführer) aus dem ganzen Land zum ersten Mal zusammentreffen sollten. Gestern war es dann soweit und nach einigen gemütlichen Autobahnstunden (hunderte von Autobahnkilometern ohne Stau, wie oft darf man das in Deutschland schon erleben), trafen wir uns also zu einem sogenannten Workshop. Ich wusste das ich in etwa um 11°° Uhr einen Vortrag über die zukünftig gemeinsame IT – & Internetstruktur halte und dann über das Thema eine Diskussion / Abstimmung erfolgen sollte. Womit ich nicht ernsthaft rechnete war, was dann passierte….. Ich wurde einstimmig zum Leiter IT & Internet des Konzern-Projektes erklärt und stehe somit derzeit weit über 20 und innerhalb der kommenden 12 Monate rund 50 Unternehmen als eben dieser „Leiter“ vor….. Was mich aber erst richtig bewegte waren die Aussagen in der Mittagspause des Workshops, in der eigentlich alle „Leiter“ zu mir kamen um sich mit mir über die kommenden Veränderungen (ich stelle innerhalb dieses Konzernprojektes auf OpenSource um, nachdem ich in der Vergangenheit schon dafür gesorgt habe das sämtliche Server, bis auf einige kleine Inseln, auf Linux umgestellt wurden) zu Unterhalten. Absolut ALLE begründeten ihre Entscheidung, neben der fachlichen Kompetenz, mit dem Umstand das ich wohl sehr stabil, ruhig, ausgeglichen immer freundlich und offen, jedem das Gefühl von Sicherheit und unbändiger Tatkraft geben würde……

Diese Aussagen lassen mich nicht los.

Bin ich doch so wie ich bin, weil ich mich mit meiner Mutation und all ihren Konsequenzen auseinandersetze. Es ist mein Wissen um die Genträgerschaft der Chorea Huntington Mutation, das mein Leben veränderte. Erst seit dieser Diagnose geniesse ich mein Leben in vollen Zügen, in jeder Minute. Mein „Ego“ wurde ruhiger und offener…. nicht sofort aber als stetiger Prozess. Weil ich weiss, was mir in (für mich ferner Zukunft) bevorsteht, lasse ich alles ruhig auf mich zukommen, empfinde ich eigentlich keine Schwierigkeit, kein Problem mehr als unlösbar.

Diese extreme Veränderung des Lebensbewustseins habe ich sonst in der Literatur nur bei Menschen gefunden, die spät aber intensiv zu einer Religion gefunden haben und von dort an ihr Leben komplett änderten. Sie werden immer als durchweg glücklich und zufrieden mit sich und der Welt beschrieben. Meine Mutation gab mir eben genau diese „Ruhe“…. So wie ich lebe, lebe ich weil ich ein Mutant bin,…. eben nach Mutantenart.

Wenig Zeit

Mai 22, 2008

Lange habe ich nichts mehr geschrieben…. viel zu lange.

Aber das liegt nicht etwa daran, dass es nichts zu schreiben gäbe sondern an mangelnder Zeit. Nachdem der ganze Stress, den mir meine Ex-Frau versucht zu bereiten, an mir abprallt und mich nicht mehr berührt habe ich die neu erlebte Kraft genutzt und mich wieder selbstständig gemacht. Glücklicherweise läuft es extrem gut und stabil aber unglücklicherweise leidet die Zeit darunter, euch meine Gefühle und Erfahrungen in meinem Blog zu schreiben. Denn die Freizeit gehört meinem Sohn und ich genieße jede Minute mit meinem kleinen Banditen…..

Nach langer Zeit habe ich wieder einen Freund dazugewonnen, dem ich mich anvertrauen konnte ohne Angst zu haben, dass er das Wissen um meine Mutation zu meinem Nachteil nutzen würde. Seine Reaktion war intensiv und deutlich zu sehen aber nicht unangenehm oder distanziert… Vielmehr zeigte er mimisch, wie ernst er meine Offenheit aufnahm. Ich würde ihn als einen Menschen beschreiben der grundsätzlich über alles Nachdenkt, was er hört und sich immer seine Gedanken dazu macht. Heute, der Tag danach, hat sich nichts verändert… er behandelt mich wie zuvor und scherzt. lacht und schimpft ;) ….. Vielleicht ohne das er es weiss, hat er mich damit bestätigt, das es richtig war ihm von meiner Mutation zu erzählen.