Gabi

Meine große Schwester, 1962 in Hamburg geboren während rund rum die Sturmflut Ihre Opfer forderte. Ich durfte mit Ihr zusammen bei unserem Vater aufwachsen, nachdem Sie die Jahre vor meiner Geburt alle Tiefen der elterlichen Beziehungstragödie miterleben musste. Ich kann mich noch daran erinnern, das wir in einem Etagenbett übereinander schliefen und ich mir einen höllen Spass daraus machte, die obere Matratze wegzurollen und Ihr Nachts heimlich ins Gesicht zu sabbern… Sie war für eine lange Zeit in meiner Kindheit „meine große Schwester“ und für mich da. Stellte sich schützend vor mich, wenn unser Vater mal wieder „Arschvoll“ verteilen wollte, kassierte Schläge von Ihm für meine Streiche, war an meiner Seite. In Ihrer Kindheit lebte Sie zeitweise in einem Hamburger Heim, zeitweise mit mir zusammen zu Hause. Mit 16 führte Sie Ihren ersten Selbstmordversuch aus indem Sie versuchte sich die Pulsadern aufzuschneiden, wurde aber zum Glück gerettet. Unser Vater drängte Sie nach der Schule in eine für Sie ungewünschte Ausbildung zur Krankenschwester am AKH St.-Georg, wo Sie das erste Mal Drogen nam und zum zweiten Mal versuchte sich umzubringen. Kaum 18 trennten sich unsere Wege und Sie versuchte Ihr eigenes Leben zu leben. Meiner Kenntnis nach war Sie insgesamt 9 Mal Schwanger, bekam tatsächlich aber nur 4 Kinder wovon eines früh an plötzlichem Kindstod verstarb als Sie in Bayern wohnte. Dies war wohl Ihre beste Zeit, Sie arbeitete und hatte einen liebevollen Mann, der aber leider spielsüchtig war, später wurden Beide geschieden. Ihre Kinder versuchte Sie immer liebevoll zu erziehen, allerdings fehlte es Ihr oft an der nötigen Aufsichtsbereitschaft… Etwa zu dieser Zeit entwickelte Sie deutliche Anzeichen Ihrer später sehr ausgeprägten Hypochondrie, mit der Sie sich Ihr Leben extrem schwer machte….. Gabis letzter Mann war Georg, ein drogenkonsumierender, arbeitsscheuer Möchtegern der diese kleine Familie erst in den Ruin und dann ins Chaos trieb. Nicht zuletzte seinetwegen und auf Basis Ihres ganzen Lebenslaufes wählte meine große Schwester als Sie auf Ihre Chorea Huntington Diagnose wartete den Freitod durch die Einnahme extremer Mengen von Schmerzmitteln und Psychopharmaka. Diesen Weg hatte Sie von sehr langer Hand vorbereitet, wie später in Ihrem Abschiedsbrief zu lesen war. Sie IST meine große Schwester, meine „Lala“ ein Spitzname den ich Ihr in frühester Kindheit gab.

Auch Gabi wurde positv auf Chorea Huntington getestet…..
das hat Sie aber nicht mehr erfahren müssen.

Eine Antwort zu „Gabi“

  1. phoeby sagt:

    Und meine Mama, die ich immer noch über alles liebe, obwohl sie uns so im stich gelassen hat!
    Sie fehlt mir sehr, doch ich will nicht mehr weinen, nicht mehr Angst haben über sie zu reden oder sie auf dem Friedhof zu besuchen!
    Ich freue mich auf den Tag wo es mir gut geht und ich nicht mehr weinen muss, wenn ich an meine Mutter denke!
    Wo mir die schönen Momente einfallen und ich mich freuen kann das sie da war!

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